Kammerchor Böhlen
singen im Südraum Leipzig
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70 Jahre Kammerchor Böhlen (1947-2017)

 

Wie alles begann

 

Die Anfänge des heutigen Böhlener Kammerchores gehen bis in die Jahre 1934/35 zurück. Auf Initiative des Oberpoliers der Bauabteilung PAUL LANGE im Böhlener Betrieb der damaligen „Aktiengesellschaft Sächsische Werke“ fanden sich sangesfreudige Werktätige zusammen, um durch Chorgesang Betriebsveranstaltungen zu verschönen. Der Chor erreichte in den Jahren bis 1939 ein beachtliches Leistungsniveau als Betriebschor. Der II. Weltkrieg brachte ihm jedoch das vorläufige Ende.

 

Nach dem Krieg, als das Werk Böhlen sowjetischer SAG-Betrieb wurde, begannen auf Anweisung der sowjetischen Kulturdirektion einzelne Gesangsgruppen in den Betriebsabteilungen mit der Probenarbeit. Im Wirken jener Gruppen gab es jedoch keine Kontinuität, da sie mehr oder weniger auf Vergnügungsergänzung ausgerichtet waren. Erst nach der Gründung der FDJ wurde 1956 ein Ensemblechor gebildet, der gemeinsam mit der Volksmusikgruppe gesellschaftliche Höhepunkte wie Pfingsttreffen der FDJ, Werbungen für den Gesellschaftscharakter auf dem Lande oder Feierlichkeiten zum 1. Mai ausrichtete und unterstützte.

 

Durch die Trennung von Musikgruppe und Chor entstand Anfang 1947 der Gemischte Chor des Benzinwerkes Böhlen. Im Zeitraum bis Anfang 1948 erfolgte eine Zentralisierung aller Gesangsgruppen des Braunkohlenwerkes, aller Werkstätten des Betriebes, der Verwaltungsbereiche sowie des Benzinwerkes zu einem Betriebschor, der am 1. Mai 1948 seinen ersten großen Auftritt mit ca. 80 Sängerinnen und Sängern hatte.

Unter der künstlerischen Leitung von WALTER KNAPE und der Trägerschaft des Benzin- und Braunkohlenwerkes Böhlen begann eine zielgerichtete und kontinuierliche Chorarbeit entsprechend den kulturpolitischen Gegebenheiten jener Zeit.

Folgerichtig bestand das damalige Repertoire jeweils zur Hälfte aus zeitgenössischen und politischen Liedern sowie aus Volksliedern.

 

Einsätze des Chores im Jahre 1955

 

11.03. Anlässlich des Geburtstages von O. Grotewohl (Kulturpalast)
19.04. Konzert mit dem Dinslakener Chor (Kulturpalast)
03.07. Zum Tag des Bergmannes (Kulturpalast)
04.09. Zum Tag der Bodenreform (Dorf Kieritzsch / Delitzsch)
12.09. Zum Tag der Aktivisten (Groß-Kayna)
06.10. Anlässlich des Jahrestages der Republik (Döbeln)
07.10. Zur Aufführung des Thälmannfilmes, II. Teil (Kulturpalast)
06.11. Zum Tag der Oktoberrevolution (Kulturpalast)
23.11. Zum Besuch O. Grotewohls (Kulturpalast)
29.11. Abschluss des Monats der Deutsch-sowjetischen Freundschaft (Delitzsch)

 

Repertoireverzeichnis vom 10.01.1956:

 

Marseillaise Dem Morgenrot entgegen
Freiheitschor Brüder zur Sonne

Warschawjanka

Brüder glaubet an das Morgen
Schwarz-rot-gold Thälmann-Lied
Lied der Gewerkschaften Lied vom Bau des Sozialismus
Lied vom neuen Haus Moskau-Prag-Berlin
Lenin-Lied Glück auf
O Täler weit, o Höhen Freie Gedanken
Heut’ ist ein wunderschöner Tag Die Würzburger Glöckli
Trara, die Post ist da Waldvöglein
Du, du liegst mir am Herzen An hellen Tagen
Je höher der Kirchturm Ach du klarblauer Himmel
Wenn wir hinausziehn Im Frühtau zu Berge
Steh’n zwei Stern Die Leineweber
Es zogen auf sonnigen Wegen

 

Das Probenlokal war der Saal des Gasthofes „Zur Eiche“ der Familie Helbing. Nach der Fertigstellung des Kulturhauses 1952 fand der Chor darin bis heute seine künstlerische Heimstatt.

Die Entwicklung des Chores verlief im Weiteren mit Höhen und Tiefen. 1953 zählte der Chor ca. 100 Mitglieder, 1959 dagegen nur 25 bis 30. Trotz seiner sich verändernden Größe erreichte der Chor ein Leistungsniveau, das es ihm erlaubte, nicht nur die damals üblichen Feiern mitzugestalten, sondern auch an gesellschaftlichen Großereignissen teilzunehmen, wie z.B.

an den Kulturfesttagen im Kulturhaus
am Sängerwettstreit auf der Wartburg
an den Betriebsfestspielen des VEB Kombinat „Otto Grotewohl“ Böhlen
an Veranstaltungen zum ökonomisch-kulturellen Leistungsvergleich
an den Arbeiterfestspielen der DDR
an der 750-Jahr-Feier Berlins
an der 218. Folge der Sendereihe „Das müsste doch zu machen sein“ von Radio DDR und FDGB in der Mannschaft des Böhlener Werkes.

 

Ab etwa 1950 bis Anfang der 60er Jahre gab es neben dem Chor einen Jugendchor Aus diesem konnte der „große“ Chor einigen Nachwuchs gewinnen. In den Jahren 1962 bis 1972 übernahm der ehemalige Kruzianer JOCHEN SCHNEIDER die Leitung des Chores und profilierte ihn so, dass er eine gefragte kulturelle Größe bei Betriebs-, Kreis- und Bezirksfesten war.

Das Hauptanliegen der Chorarbeit war die Pflege des deutschen und internationalen Liedgutes, vor allem Lieder der Arbeiterbewegung.

Reisen führten den Chor zu Volkskunstfesten nach Ungarn, Polen und der ehemaligen CSSR in die Regionen der befreundeten chemischen Großbetriebe. 1967 wurde der Chor mit „Oberstufe“ eingeschätzt, und 1969 konnte er die Auszeichnung „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ entgegennehmen.

Durch die ständige Arbeit mit verschiedenen Dirigenten gab es wesentliche Bemühungen von Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre, den Chor leistungsfähig zu halten. Er wirkte grundsätzlich innerhalb von Ensembleprogrammen.

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